Sportförderung in Deutschland: Athletensprecher Hartung droht mit Rücktritt

Doping, Korruption und die geringe Finanzierung der Spitzensportler: Im deutschen Sport rumort es. Athletensprecher Max Hartung fordert massive Änderungen.
Max Hartung hat im Frust über die Sportverbände und die Politik mit einem Rücktritt als Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) gedroht. „Wenn es so läuft wie im Moment, werde ich als Athletensprecher nicht weitermachen“, sagte der Fechter der „Süddeutschen Zeitung“.
Hartung kritisierte den mangelnden Einsatz gegen Doping und Korruption im internationalen Sport, aber vor allem die zu geringe finanzielle Athletenförderung in Deutschland. „Sportler aus anderen Ländern, die in etwa so erfolgreich sind wie ich, verdienen in ihrer Sportkarriere mindestens zehnmal so viel“, sagte Hartung.
Der DOSB-Athletensprecher war einer von 45 Gründungsmitgliedern des Vereins Athleten Deutschland, mit dem die deutschen Spitzensportler ihre Interessen auch in der Sportpolitik stärker zu Gehör bringen wollen. Dafür müsse der Verein laut Hartung aber eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu 400.000 Euro erhalten, um nicht mehr auf ehrenamtliches Engagement angewiesen zu sein.
„Ohne Talente nützt die beste Skischanze nichts“
Die Gründung des Vereins wurde vonseiten des DOSB kritisiert, der Verband fürchtet, Einfluss auf die Athleten zu verlieren. Ohnehin gilt das Verhältnis zwischen den Sportlern und dem DOSB als angespannt. Die Gründe sind der Umgang mit dem Dopingskandal in Russland, vor allem aber die Spitzensportreform, nach der zwar mehr Geld ausgeschüttet und somit die Medaillenanzahl bei Olympischen Spielen erhöht werden soll. Die Athleten fühlen sich bei den Kriterien für die Verteilung jedoch übergangen.
Hartung wünscht sich zudem eine Verdreifachung der finanziellen Unterstützung für deutsche Leistungssportler. „Also für jene Athleten, die nicht bei Polizei, Bundeswehr oder Zoll angestellt sind“, fügte er hinzu. Die Mittel dafür sollten aus dem Bundeshaushalt kommen.
Sollte sich die finanzielle Ausstattung der Athleten nicht verbessern, drohe der Verlust vieler Talente, warnte Hartung. „Da kann man die beste Skischanze haben und den besten Wildwasserkanal, das nützt alles nichts, wenn man keine talentierten Menschen findet, die auch Leistungssport betreiben wollen“, sagte Hartung.