Heidenheimer Jakob Jung nimmt an der Europa-Orient-Rallye teil

Für den 27-Jährigen und fünf seiner Freunde geht es am 5. Mai mit ihren Autos auf große Tour. Auf ihrem Weg nach Jordanien müssen sie diverse Aufgaben lösen.

Wenn Jakob Jung und sein Team im Hafen von Jaffa ankommen, werden die 1111 Blechverschlüsse, die sie gesammelt haben, Teil des größten Kronkorken-Mosaiks der Welt. Die Flasche Wasser, die jeder der sechs jungen Männer dabei hat, wird ins Tote Meer gekippt, um zu verhindern, dass das Gewässer weiter austrocknet. Das sind nur zwei von vielen Aufgaben, die die „Wandering Otters“ als eines von 50 Teams auf der Europa-Orient-Rallye zu bewältigen haben.

Denn das abenteuerliche Unterfangen, an dem der 27-jährige Heidenheimer Jakob Jung, sein Studienkollege Alexander Merk, 25, dessen 31-jähriger Bruder Stefan, beide aus Bad Waldsee, sowie dessen Freunde Torben Heyen, 28, aus Osnabrück, Andreas Joltea, 32, aus Neustadt an der Waldnaab und Maximilian Böhm, 31, aus Grafenwöhr, teilnehmen, ist wie eine Art Schnitzeljagd aufgebaut.

Briefumschläge mit Aufgaben

Während der Reise gibt es immer neue Briefumschläge mit Aufgaben, die es zu lösen gilt und die Punkte bringen. Sei es, einen Sack Kartoffeln bei einem Kleinbauern in Anatolien zu kaufen oder anhand eines Rätsels zum Nachtlager in Jordanien zu finden.

Das Format gibt es unter der bisherigen Bezeichnung Allgäu-Orient-Rallye bereits seit 2006. Denn bis 2017 wurde in Oberstaufen gestartet. „Dieses Jahr starten wir am 5. Mai in Straßburg. Das Ziel ist Amman in Jordanien“, erklärt Jung, der sich vor vier Jahren schon einmal als Teilnehmer für die ungewöhnliche Reise beworben hatte.

„Damals wären wir eine komplette Heidenheimer Crew gewesen. Leider sind wir nur auf der Warteliste gelandet und als wir dann doch noch die Zusage bekommen haben, war uns das alles zu kurzfristig.“ Denn natürlich gibt es bei der Rallye gewisse Spielregeln. So werden zum Beispiel nur Autos zugelassen, die mindestens 20 Jahre alt sind oder nicht mehr als 1111,11 Euro gekostet haben – was natürlich von einem Gutachter überprüft wird.

Das Rallyeteam muss aus sechs Personen und drei Autos bestehen. „Wir haben uns im Internet zwei alte Fünfer BMW und einen Dreier-Kombi besorgt. An denen schrauben wir momentan noch rum. Wir haben extra Autos ausgesucht, in denen wir auch übernachten können“, so Jung. Wahlweise stehen noch die freie Natur, Zelte oder ein Hotel zur Auswahl, wobei eine Übernachtung nicht mehr als 11,11 Euro pro Person kosten darf.

Bei der Rallye kommt es nicht auf Schnelligkeit an und es müssen auch nicht unbedingt alle Fahrzeuge am Zielort ankommen. Wichtig ist nur, dass das Team gemeinsam mit mindestens einem der gestarteten Fahrzeuge ankommt und über die Ziellinie fährt.

Keine Autobahn, kein Navi

„Wir dürfen nicht auf Autobahnen fahren und keine Navis benutzen, sondern nur Karten“, sagt der 27-Jährige. Dabei dürfen täglich nicht mehr als 666 Kilometer zurückgelegt werden, 555 sind das Minimum. „Wir wechseln uns beim Fahren ab und rotieren auch, sodass jeder mal jedes Auto fährt.“

Und weil sämtliche Fahrzeuge für einen guten Zweck im Zielland bleiben, muss sich jedes Team selbst um den Rückflug am 29. Mai kümmern. „Die Autos werden dort versteigert, das Geld fließt in soziale Projekte. Das Team, das am Ende gewinnt, bekommt als Hauptpreis ein Kamel“, erklärt der Heidenheimer. Das werde dann aber sofort weiter gespendet, meist an junge Beduinen, um ihnen eine Existenzgrundlage zu schaffen.

Doch bis nach Jordanien muss Jung mit seinem Team erstmal kommen. „Die Rallyeleitung hat uns schon vorgewarnt. ,Bis ihr in Istanbul ankommt, werdet ihr uns hassen‘, haben sie gesagt“, erzählt er. Bis dorthin ist die Streckenwahl jedem Team selbst überlassen, danach werden aus Sicherheitsgründen gemeinsame Fahrerlager angefahren. Vom türkischen Mersin geht es dann per Fähre ins israelische Haifa, um Syrien zu umgehen.

Was ist eigentlich eine Rallye?

Die Rallye ist ein Wettbewerb im Motorsport, der teilweise über mehrere Tage oder Etappen verteilt auf normalen Straßen oder Feld- und Waldwegen ausgetragen wird. Anstatt wie bei einem Rennen auf einer Rundstrecke im Kreis zu fahren und um Positionen zu kämpfen, tragen die Rallye-Teilnehmer Wertungsprüfungen aus. Das Ergebnis dieser Wertungsprüfungen wirkt sich schließlich auf die Platzierung aus. Zugelassen sind nur serienmäßig hergestellte Autos.