Die Lehren aus dem Großen Preis von Australien

Neue Saison – veränderte Machtverhältnisse? Zumindest an der Formel-1-Spitze gilt das nicht. Ferrari hat aber seinen Rückstand auf Mercedes verringert.

Aus seinem Formel-1-Auftaktsieg in Australien kann Nico Rosberg viel Zuversicht für den Titelkampf ziehen. Lewis Hamilton empfindet seinen zweiten Platz nach einer starken Aufholjagd als «Bonus». Ferrari-Star Sebastian Vettel plant in Bahrain am 3. April die nächste Attacke auf Mercedes. Die Lehren aus dem ersten Rennen des neuen Jahres.
LEHRE 1: Mercedes ist nicht nur der Grand-Prix-Sieger
Die Strategie bei den Silberpfeilen sitzt. Den Start verschliefen sowohl der spätere Sieger Nico Rosberg als auch der spätere Zweite Lewis Hamilton noch. Dann kam die Unterbrechung wegen des Unfalls von Fernando Alonso. Danach ging die Taktik perfekt auf, Rosberg und Hamilton mit den härteren Reifen fahren zu lassen. Motorsportchef Toto Wolff lobte die «fantastische Arbeit» am Kommandostand, um den beiden Piloten die «richtige Strategie» mitzugeben. 24 Doppelerfolge hat das Duo Hamilton/Rosberg damit schon auf seinem Konto.
LEHRE 2: Ferrari ist näher dran – mehr aber erstmal auch nicht
Mercedes fährt in Melbourne einen Doppelerfolg ein, Sebastian Vettel landet dahinter auf Position drei. Also ist alles wie gehabt an der Spitze der Formel 1, oder? Nicht ganz. Ferrari hat aufgeholt: Vergleicht man die Abstände der Scuderia zu den Silberpfeilen in Australien 2015 und in diesem Jahr, konnten die Italiener deutlich zulegen. Die Taktik kostete Vettel nun in Melbourne aber den möglichen Sieg. Auf den weicheren Reifen konnte er die Silberpfeile nicht mehr attackieren. «Das Rennen sollte uns als Lehre dienen», resümierte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene.
LEHRE 3: Formel-1-Neuling Haas hat etwas drauf
Nach seiner Fahrt auf Platz sechs war Romain Grosjean völlig aus dem Häuschen. «Das ist für uns ein Sieg, das ist ein Sieg», schrie der Franzose nach dem Überfahren der Ziellinie in den Boxen-Funk. Von Rang 19 gestartet bescherte Grosjean dem Formel-1-Neuling Haas gleich im ersten Grand Prix Punkte. Als letztem neuen Konstrukteur war das 2002 Toyota mit Mika Salo gelungen, der damals ebenfalls Sechster wurde. Teamgründer Gene Haas freute sich über das funktionierende Zusammenspiel aus Chassis, Aerodynamik und Ferrari-Motor.
LEHRE 4: Fernando Alonso kann von Glück reden
Der Crash wirkte beängstigend. Seinen schrecklichen Unfall in Melbourne überstand Fernando Alonso aber unverletzt. «Es ist kaum zu glauben, wie weit diese Autos katapultiert werden, wenn sie die Reifen treffen», wunderte sich sein Teamkollege Jenson Button. Mehr als die Freude über die Unversehrtheit des Spaniers und die Robustheit der modernen Formel-1-Wagen gab es bei McLaren aber nicht. Durch Alonsos Ausfall und den 14. Platz für Button erlebte das Team aus Woking mal wieder ein extrem ernüchterndes Rennen.
LEHRE 5: Die Formel 1 sucht nach dem richtigen Qualifikationsformat
Nach nur einer Auflage verabschiedet sich die Formel 1 wieder von ihrem neuen Qualifikationsformat. Für mehr Spannung hat der in Melbourne eingeführte Modus in der Endphase der letzten K.o.-Runde nicht geführt. Im Gegenteil. Schon beim zweiten Rennen in Bahrain wird wieder das alte System eingesetzt. Über einen ganz neuen Modus wird längst nachgedacht. «Ich finde es gut, wenn wir neue Dinge probieren», sagte Titelverteidiger Hamilton.