Beach-Queen Ludwig VI. denkt an Rio – Wickler jüngster Meister

Von Jens Mende, dpa

Mit Titel Nummer sechs hat Laura Ludwig sogar die Olympiasieger Brink/Reckermann überflügelt. Nun möchte sie mit Partnerin Kira Walkenhorst nach Rio. Bei den Männern gibt es auch einen Rekord: Clemens Wickler ist der jüngste deutsche Meister.

Laura Ludwig dachte nach dem Rekord-Titel an der Ostsee sofort Richtung Copacabana, für Sensations-Meister Clemens Wickler war es einfach nur «geil». Das 20 Jahre alte Beachvolleyball-Talent aus Bayern entthronte am Sonntag beim nationalen Championat mit seinem auch nur vier Jahre älteren Partner Armin Dollinger die erfahrenen Titelverteidiger Jonathan Erdmann und Kay Matysik im Finale mit 2:1 (18:21, 23:21, 15:11. Nie war ein deutscher Meister jünger als Wickler.
Für Abwehrspieler Wickler (Bad Tölz) und Blocker Dollinger (Garching) war es der erste Titel. «Wir sind in das Turnier ohne große Erwartungen gegangen, da Armin so lange verletzt war», sagte Wickler. Im Vorjahr waren beide schon Vierte geworden, für das Turnier 2015 war das Duo nur auf Position acht gesetzt. Platz drei sicherten sich Tim Holler und Jonas Schröder (Fellbach/Gonsenheim) mit einem 2:0 gegen Markus Böckermann und Lars Flüggen (Hamburg).
«Es ist greifbar, aber es ist noch ganz viel harte Arbeit», sagte Ausnahme-Beachvolleyballerin Laura Ludwig zum großen Ziel Olympia 2016. Als bestes deutsches Frauen-Team liegen Ludwig und ihre starke Partnerin Kira Walkenhorst, die nach einem Jahr der Qualen «den emotionalen» Titel in Timmendorfer Strand genoss, voll auf Qualifikations-Kurs für Rio de Janeiro.
Für die nationale Damen-Konkurrenz wie Katrin Holtwick und Ilka Semmler geht es wohl nur noch um den zweiten Olympia-Startplatz. Den WM-Vierten aus Berlin blieb in Timmendorfer Strand nur Rang drei. Die Hauptrolle beim 23. Kult-Turnier nahm Beach-Queen Ludwig VI. ein. Mit jetzt sechs Meisterschafts-Triumphen hat die 29-jährige sogar die Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann (fünf) überflügelt.
«Das fühlt sich super an. Das wird jetzt vielleicht ein paar Jährchen so bleiben», bemerkte Ludwig mit einem Lächeln zum Rekord: «Ich hatte auch immer tolle Partnerinnen an meiner Seite.» Mit Kira Walkenhorst war es nach 2013 Titel Nummer zwei. Vier Erfolge in Timmendorfer Strand hatte sie mit Sara Goller (jetzt Niedrig) gefeiert.
Im Vorjahr war die 24 Jahre alte Walkenhorst an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt. «Wir mussten in vielen Bereichen bei Null anfangen. Das ist jetzt die Belohnung», sagte die gebürtige Berlinerin zu Grand-Slam-Sieg in Japan, EM-Titel in Klagenfurt und Meisterschafts-Erfolg an der Ostsee. Als die Blockerin zu Beginn der aktuellen Saison auch noch am Knie operiert werden musste, begann sogar Ludwig zu grübeln. «Ich dachte, jetzt wird es aber wirklich knapp», sagte die Hamburgerin.
«Wir haben physisch hart und an kleinsten Details gearbeitet», verriet Abwehrspezialistin Ludwig den Grund für die Rückkehr zu alter Stärke und die nochmalige spielerische Steigerung. Im Finale um den Titel 2015 bezwang das Meister-Duo vor 7000 begeisterten Zuschauern die Außenseiterinnen Teresa Mersmann und Isabel Schneider (Leverkusen) mit 2:0 (21:12, 21:19).
Coach Jürgen Wagner bescheinigte seinen Schützlingen eine «extrem harte Arbeit im Training». Ihr erfahrener Trainer weiß übrigens, wie man Olympiasieger formt. 2012 hatte Wagner Brink/Reckermann in London zum bisher größten Triumph des deutschen Beachvolleyballs geführt. Gibt es eine Wiederholung mit Ludwig/Walkenhorst in Rio? «Ich hätte nichts dagegen», sagte Wagner. Beach-Queen Ludwig VI. auch nicht.