Kriegs-Rhetorik im Sport: „Armageddon“ bei der Schach-WM

Kriegssprache ist im Sport eigentlich verpönt. Ausgerechnet der Schachsport macht bei der WM 2018 in London nun eine Ausnahme. Das gefällt nicht jedem.

Eigentlich wollte sich der Sport von der Kriegs-Rhetorik verabschieden. Mindestens eine Generation von Sportreportern hat davon geschrieben, wie die Bombe im Netz landet. Wahlweise schlug das Leder, das inzwischen längst aus Plastik ist, wie eine Rakete oder eine Granate in die Maschen ein. Eine Mannschaft schoss aus allen Lagen. Nein, noch besser: Die Truppe ballerte oder feuerte aus allen Rohren. Und Gerd Müller, dieser kleine, pummelige Mittelstürmer aus dem Ries, wuchs mit einer sagenhaften Trefferquote von 68 Toren in 62 Länderspielen zum Bomber der Nation heran.

Sprachlich könnte man meinen, Sport sei nur eine andere Art der Kriegsführung

Im Eishockey wurde das Powerplay gekillt, die Gegner an die Bande genagelt und schließlich zur Strecke gebracht. Der kritische Leser konnte den Eindruck gewinnen, Sport sei nur eine andere Ebene der Kriegsführung. Im Laufe der Jahre strichen mehr und mehr Sportredakteure die martialischen Worte aus ihrem Vokabular, weil man der Stereotype überdrüssig geworden war. Und weil der Sport eben nichts mit Krieg und Schlachtengetöse gemein haben sollte.

Auf dem Spielfeld beharken die Kicker zwar die Schienbeine, suchen im Eishockey auch einmal den Boxkampf, aber nach dem Schlusspfiff folgt der Handschlag. Die Reporter rüsteten im Laufe der Jahre verbal ab. Doch ausgerechnet die größten Denker im Sport, die Feingeister, die Strategen am Brett verbreiten nun Endzeitstimmung. In der Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana geht es nach zwölf Unentschieden auf die finale Schlacht am Brett zu. Zuerst kommt Schnell- dann Blitzschach.

Der Schachverband Fide hat die Trumpsche Rhetorik übernommen

Das klingt wie Blitzkrieg, aber es geht noch härter. Killt bis dahin keiner den König, folgt Armageddon, die endzeitliche Entscheidungsschlacht aus der Offenbarung des Johannes, die alles zerstörende Katastrophe. So nennt der Schach-Weltverband Fide das letzte Duell, das es im Brett-Sport ansonsten nicht gibt. Schach-Ästheten stellen sich bei der Wortwahl die Nackenhaare auf, doch die WM-Organisatoren wählten bewusst diesen Begriff. Einige Funktionäre haben offenbar die Trumpsche Rhetorik übernommen, um das königliche Spiel möglichst medienwirksam zu vermarkten – make Schach great again. Und weniger als Armageddon geht mit der Trump-Methode eben nicht.