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Alexander Zverev gibt Rätsel auf. Die Weltrangliste weist den 21-Jährigen als drittbesten Spieler der Welt aus, doch die Ergebnisse in diesem Jahr spiegeln dies nicht wider. Dabei war die Erwartungshaltung extrem hoch, Zverev selbst hatte mit seinem Titel bei den ATP Finals 2018 dafür gesorgt. Nach den ersten vier Turnieren der Saison ist Ernüchterung eingekehrt. Eurosport.de nennt die Gründe.

Alexander Zverev hatte drei Möglichkeiten: Cross, Longline-Schlag oder Lob. Der Hamburger entschied sich für die Longline-Variante – und schied im Achtelfinale der Australian Open gegen Milos Raonic aus. Es war der erste herbe Rückschlag des Jahres, denn der Durchbruch auf Grand-Slam-Niveau war und ist das Ziel.

„Die große Herausforderung für 2019 werden Erfolge bei den Grand-Slam-Turnieren sein“, betonte Eurosport-Experte Boris Becker. Beim 1:6, 1.6, 6:7 (5:7) gegen Raonic war zu erkennen, wie groß die Herausforderung tatsächlich ist und an welchen Stellschrauben Zverev drehen muss. Der Hamburger fand häufig nicht die richtige Länge in seinen Schlägen, die Beinarbeit war nicht optimal. „Ich hatte keine lange Vorbereitung und wenig Zeit für mich“, identifizierte Zverev im Gespräch mit Eurosport einen möglichen Grund für das Aus.

Hinzu kamen aber auch satte zehn Doppelfehler. Eine Schwäche, die er sich auch zwei Monate später beim Zweitrunden-K.o. in Miami gegen David Ferrer leistete. Gegen den Spanier waren es sogar zwölf Doppelfehler, insgesamt unterliefen ihm 47 sogenannte „unforced errors“. Beim vorangegangenen Masters von Indian Wells hatte Zverev in Runde drei gegen Jan-Lennard Struff Matchball gegen sich – und fabrizierte ebenfalls einen Doppelfehler.

„Zverev war nicht an seinem Limit“

Die richtige Länge in den Schlägen, die Konzentration, der Aufschlag, die Beinarbeit – all‘ das sind Komponenten im Spiel, bei denen sich Zverev zwar immer wieder Nachlässigkeiten erlaubt, die er aber grundsätzlich im Griff hat.

Bis zum Achtelfinale in Melbourne absolvierte Deutschlands Nummer eins ein starkes Turnier, in Acapulco unterlag er erst im Finale gegen Nick Kyrgios, seine beiden Davis-Cup-Matches gegen Ungarn gewann er problemlos.

Ein weiterer Faktor kam hingegen bei den mauen Auftritten in Indian Wells und Miami zum Tragen: ein grippaler Infekt. Es ist ein spezielles Problem bei Zverev, dass er mit solchen Erkrankungen mehr zu kämpfen hat als die meisten Konkurrenten. Gegenüber dem „tennis MAGAZIN“ erklärte der Tennisstar:

„Leider bin ich jemand, der immer sehr schnell Gewicht verliert. Dieses Mal waren es aufgrund der Grippe sechs Kilo in neun Tagen. “

Das wirkt sich aus. „Er war nicht an seinem Limit“, befand etwa Struff, nachdem er Zverev in Indian Wells erstmals in seiner Karriere schlagen konnte. Zusammen mit Starcoach Ivan Lendl wird er nun alles daran setzen, das Gesamtpaket wieder zusammenzubekommen. Denn wenn Zverev gesund ist und die genannten Fehler abstellt, dann entspricht sein Leistungsvermögen durchaus der Weltranglistenposition drei. Das stellte der Youngster in der vergangenen Saison unter Beweis.

Grand Slams sind „noch eine andere Geschichte“

Und es spricht für Zverev, dass er die Erfolge realistisch einzuordnen weiß. „Fünf Halbfinals auf Masters-Ebene hat kein anderer erreicht“, stellte er im Rückblick auf 2018 fest, nicht ohne anzufügen, dass eine derartige Konstanz auf Grand-Slam-Level „noch eine andere Geschichte“ sei.

Da reichte es für Zverev bislang „nur“ zu einer Viertelfinalteilnahme bei den French Open im vergangenen Jahr. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass die deutsche Tennis-Hoffnung noch immer erst 21 Jahre alt ist.

Der mittelmäßige Start ins Tennisjahr und das frühe Aus in Melbourne taugen vor diesem Hintergrund nicht als Alarmsignale, es gibt (noch) keinen Grund, in Panik zu verfallen. Gleichwohl sind auch im Team Zverev die Ansprüche deutlich angestiegen.

Becker hieß das Supertalent nicht umsonst „in der absoluten Weltspitze“ willkommen. Dort wird sich Zverev aber nur dann langfristig halten, wenn es ihm gelingt, die schwächeren Phasen auf ein Minimum zu reduzieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Cross, Longline oder Lob – es liegt mitunter an solchen Kleinigkeiten, wohin der Weg führt…